Inhalte - Verkehrsplanung

Stadtentwicklung und Verkehr

Tätigkeiten in Planung, Entwurf und Ausführung, wie sie heute dem Berufsbild des Verkehrsplaners zugeschrieben werden, sind zeitlich weit zurück zu verfolgen: Sie treten auf, seitdem in der menschlichen Gesellschaft das Bedürfnis besteht, Ortsveränderungen zu organisieren, Güter zu transportieren, ferne Ziele zu erreichen. Die ersten Wege sind Trampelpfade durch meist unwirtliches Gelände. Sie entwickeln sich zu Verbindungen für anfangs noch bescheidene Transportaufgaben mit Lasttieren, wobei bereits vermehrt Rücksicht auf die topografischen Randbedingungen (z.B. mäßige Anstiege oder Flussquerungen an Furten) zu nehmen ist. Im geschichtlichen Rückblick erweisen sich zunächst in erster Linie Zugangsmöglichkeiten zu Lagerstätten, zu Nahrung und zu Wasserstellen als ausschlaggebend zur Suche nach Verkehrsverbindungen, deren Ausbau, Erhalt und Sicherung. Erst später treten dann auch überregionale Handelsbeziehungen und militärische Überlegungen hinzu. Mit der organisatorischen Entwicklung des Staatswesens und einer wachsenden Rolle städtischer Ansiedlungen erlangt der planmäßige Ausbau eines Weges seine zunehmende Bedeutung. Mit diesen Aufgabenstellungen rückt auch die Funktion des Verkehrsplaners stärker in den Vordergrund.


Grundlagen und Daten

Verkehrsplanung versteht sich als eine Fachplanung zur Erarbeitung der infrastrukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen zur Abwicklung der Verkehrsnachfrage. Dabei wird das Ziel verfolgt, in einem geordneten und demokratisch legitimierten Verfahrensablauf die Verkehrsbedürfnisse in einem sich wandelnden gesellschaftlichen Umfeld optimal zu befriedigen. Im Rahmen einer integrierten Verkehrsplanung wird die ingenieurmäßige Sichtweise ergänzt durch die Einbeziehung sozioökonomischer Gesichtspunkte und der Umweltbelange, wobei Verknüpfungen mit anderen Planungsdisziplinen auftreten.


Planungsprozess

Eine sachgemäße Verkehrsplanung verfolgt die Aufgabe einer zielorientierten, systematischen, vorausschauenden und informierten Vorbereitung der Entscheidungen zu Handlungen, die den Verkehr nach festgelegten Zielen beeinflussen. Verkehr umfasst dabei die Ortsveränderung von Personen und Gütern, aber auch von Energie oder Nachrichten bzw. Informationen. Letztere können dabei die Ortsveränderung von Personen und Gütern (teilweise) ersetzen. Nachfolgend werden jedoch nur Personen- und Güterverkehre vertiefend betrachtet. Die Ortsveränderung von Personen und Gütern erfolgt dabei mit Hilfe von Verkehrsmitteln (Kraftfahrzeug, Bus, Bahn, Flugzeug, Schiff, Fahrrad, mit den eigenen Füßen) und auf Verkehrswegen (Straße, Schiene, Wasser, Luft, Leitungen).


Bewertungsverfahren

Die Bewertungsverfahren nehmen im Planungsprozess einen wichtigen Raum ein. Mit der Ableitung von Maßnahmenzielen und der Problemanalyse werden sie im Rahmen der Maßnahmenuntersuchung zur Abwägung zwischen Planfällen und Maßnahmenvarianten verwendet und liefern die Grundlage zu begründeten Entscheidungen. Üblich ist eine Gegenüberstellung der verschiedenen definierten Alternativen zur Auswahl der günstigsten Maßnahme oder eine Maßnahmenbewertung gegenüber dem Null-Fall (Bestand bzw. keine Realisierung). Vorausgesetzt werden soll, dass in einer Maßnahmenuntersuchung über die Entwicklung von Handlungskonzepten bereits alternative und realisierbare Planungsfälle erarbeitet wurden.


Verfahren zur Nachfrageermittlung

Verkehre – und damit Verkehrsnachfrage und Ortsveränderungen – entstehen durch das Bedürfnis oder Erfordernis, als Person von einem Ort zu einem anderen zu gelangen bzw. Güter oder Informationen zwischen zwei Orten zu transportieren. Dabei spielt sowohl die Anzahl der Orte, zwischen denen eine Verkehrsnachfrage auftritt, als auch deren Entfernung zueinander und deren Funktion und Nutzung eine wesentliche Rolle zur Beschreibung der resultierenden Aktivitäten und der damit verbundenen Verkehrsabläufe.


Verkehrsnetze und Verkehrssysteme

Verkehrsnetze stellen ein Angebot dar und stehen einem konkreten oder geschätzten Verkehrsbedarf gegenüber. Sie tragen dazu bei, die resultierende Verkehrsnachfrage mehr oder weniger angemessen über das auf ihnen abwickelbare bzw. realisierte Verkehrsangebot zu befriedigen. Gleichermaßen beeinflusst ein Verkehrsnetz wiederum die Verkehrsnachfrage, die Ausrichtung auf bestimmte Ziele und die Verkehrsmittelwahl.


Ruhender Verkehr und Parkraumplanung

Es erscheint vermessen, einen privat genutzten Pkw als „Fahrzeug“ zu bezeichnen, wird er doch im Durchschnitt nur weniger als eine Stunde täglich tatsächlich als solches genutzt und auf öffentlichen Straßen bewegt. In den übrigen Stunden ist dieses „Fahrzeug“ auf privatem oder öffentlichem Grund abgestellt. Der Bestand von mehr als 53 Mio. Kfz (bei über 44 Mio. Pkw) in Deutschland beansprucht somit entsprechende Stellflächen. Neben seinem „Heimatstellplatz“ auf dem Grundstück bzw. in der Garage, der während einer Fahrt überwiegend ungenutzt bleibt, wird am Zielort ein weiterer Abstellplatz benötigt. Ein Pkw nimmt so im Verlauf eines Tages im Durchschnitt 1,7 Stellplätze in Anspruch. Die Untersuchung der Nachfrage nach Parkraum, die Suche nach Lösungen zur Unterbringung des „ruhenden Verkehrs“ und die Bemessung entsprechender Anlagen sind daher ein Bestandteil verkehrsplanerischer Aufgabenstellungen.


Planungen zur Verkehrsentwicklung

Die Inhalte städtischer und regionaler Verkehrsplanungen sind in den letzten Jahren durch einen nachhaltigen Wandel gekennzeichnet. Ältere Ansätze stellen in erster Linie die Problembearbeitung in Bezug auf einen stetig steigenden motorisierten Individualverkehr (MIV) in den Vordergrund. Heute bildet eine umwelt- und sozialverträgliche Gestaltung des Gesamtverkehrssystems unter Beachtung der verschiedenen Verkehrsarten den Schwerpunkt der Aufgabenstellung. Die veränderten Ziele und Fragestellungen wirken sich auf die methodischen Ansätze aus, die nunmehr eine gesellschaftspolitisch sinnvolle Steuerung des Gesamtverkehrssystems verfolgen. Die Verkehrsentwicklungsplanung zeigt sich daher in ihrem Planungsansatz primär konzeptorientiert und nicht mehr ausschließlich deterministisch nachfrageorientiert.


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